Wie immer: viel zu vollmundig sind die laut tönenden Aussage der Apologeten, Experten und Sachverständigen des Kapitalismus. Die Überlegenheit des Systems soll mit der Aussage des “Funktionieren des Kapitalismus” untermauert werden.
Im neuesten Vorstoß gerät einmal mehr die Erhöhung des Renteneintrittsalter in das Visier der Finanzoligarchie.
Bis 69 Jahre ist es nun angedacht, wogegen im Grunde nichts spricht, so es denn für den Einzelnen möglich ist.
Während der Widerstand gegen die Rente mit 67 wächst, sagt die Bundesbank: Bis 2060 müsste das Renteneintrittsalter auf 69 Jahre steigen. Zudem plädiert sie dafür, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln.
Halten wir uns aber vor Augen, dass die Errungenschaft des Rentensystem, wie auch ein Kündigungsschutz, die freie Wahl eines Arbeitsplatzes, Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall u.a. mehr, eine der tragenden Säulen, im allgemeinen Verständnis eines “Funktionieren des Kapitalismus” sind, müssen wir uns natürlich, wenn alles abgebaut wurde was Wohlstand generierte, irgendwann fragen, was genau eigentlich da noch funktioniert.
Wir können alles auf 0 herunterfahren, und uns in einem Machtgefüge treffen, welches ähnlich einer Leibeigenschaft im Feudalismus ist, nur müssen wir das Kind dann auch beim Namen nennen, und den Kapitalismus als gescheitert ansehen.
Wenn die besagten Apologeten und Experten aber auch zukünftig das Funktionieren marktwirtschaftlichen Handelns mit dem Funktionieren eines Kapitalismus verwechseln, – vorsätzlich oder aus Unwissenheit -, dann können wir uns auch weiter etwas vormachen.
Denn was genau funktioniert: Der Mensch, seine Hoffnung, sein Streben nach einem besseren Leben, und eine ganze Reihe weiterer natürlicher Eigenschaften. Diese aber einem System Kapitalismus zuzuschreiben, um es erhaben wirken zu lassen, ist mehr als vermessen.
Es lässt sich jetzt argumentieren, daß bis 2060 noch viel Zeit ist, und der technische Fortschritt im Bereich Medizin dafür sorgen wird, daß die Menschen älter werden. Doch müssen diese dann auch wirklich jedem zu Verfügung stehen, ganz gleich welche Einkommensklasse sie haben. Und dagegen spricht die Realität, die den weiteren Abbau von Leistungen, in unserem Krankenkassensystem vorsieht.
Für den Einzelnen also eher eine Milchmädchenrechnung im Bezug auf die Lebenserwartung (ähnlich denen der Rentenzahlungen), die Mehrheit wird wohl eher davon ausgeschlossen sein.
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Hier meine Meinung zu zwei Sätzen, an denen ich hängen geblieben bin:
1.:
“Bis 69 Jahre ist es nun angedacht, wogegen im Grunde nichts spricht, so es denn für den Einzelnen möglich ist.”
–> Ist das deine ehrliche Meinung?
Ich persönlich hab keinen Bock fast 50 Jahre meines Lebens arbeiten zu gehen, um mit 69 total kaputt gearbeitet zu sein und von meiner Freiheit dann nichts mehr zu haben.
2.:
“und der technische Fortschritt im Bereich Medizin dafür sorgen wird, daß die Menschen älter werden.”
–> Und auf diesen Fortschritt kann ich gut verzichten. Irgendwann muß auch mal Schluß sein. Den Traum der Unsterblichkeit teile ich nicht. Mir reichts um die 80 Jahre auf dieser Erde zu verbringen.
Die Auswirkungen des kollabierenden Sozialstaats kam man nun wahrlich nicht dem Kapitalismus in die Schuhe schieben. Wie Sloterdijk kürzlich in der FAZ ausführte, haben wir in Deutschland kein kapitalistisches, sondern ein semisozialistisches System, angesichts einer Staats- bzw Umverteilungsquote von 50 Prozent des BIP. Nur dem Fleiss vieler Unternehmer und Facharbeiter ist es zu verdanken, das dies System überhaupt noch läuft. Sollen irgendwann die 25 Prozent der Bevölkerung, die im Privatsektor arbeiten und den Rest dank konfiskatorischer Steuern durchfüttern realisieren, wie sehr sie verarscht werden und indem von Sloterdijk vorhergesagten Steuerstreik treten, dann bricht alles zusammen. Wohlgemerkt nicht DER Kapitalismus, sondern der ihn nutzende Semisozialismus.
Leute, lasst Euch nicht verarschen und wie vor hundert Jahren in scheinideologische Kämpfe verstricken. Wer ein Blog oder ein Kleinunternehmen betreibt, um unabhängig zu sein, ist Kapitalist. Ein Konzernfunktionär, der mit Staatsfunktionären kungelt, um an Subventionen zu kommen ist hingegen ein Sozialist.
Klingt seltsam, ist aber so. :-)