PolitikBasis

Kommentarblog zu den Systemnachrichten

Von unserem ambivalenten Kern in
nicht-fundamentalen Krisen

gepostet von PolitikBasisam 10 - September - 2009 -1 KOMMENTAR-  Share/Bookmark

Eine Frage, die in verschiedenster Art immer wieder auftaucht ist die, ob die derzeitige Wirtschaftskrise überhaupt als solche zu bezeichnen ist. Aber um sie zu beantworten muß der fundamentale Kern von Krisen betrachtet werden, denn dabei geht es schlicht um “Leid”.

Genau genommen kennt eine echte Krise nur eine Art Leid, nämlich die, welches den Mangel an lebenserhaltender Bedürfnisbefriedigung mit sich bringt. Diese echten Krisen sind von der Sorte, die dem Menschen direkt lebensgefährlich werden können: Hunger, Durst und körperliche Versehrtheit. Sie sind existenziell, alles darüber kann als Wohlstand bezeichnet werden. Das Fehlen dieser leidvollen Komponenten, wie in der derzeitigen Wirtschaftskrise der westlichen Staaten, lässt uns immer wieder daran zweifeln, ob wir es wirklich mit einer Krise zu tun haben. Er ist mit ein Grund warum ein Wohlstand, z.B. in Deutschland, immer weiter problemlos, bis nach ganz weit unten abgesenkt werden kann. Die Argumentation, gerade wenn es darum geht weitere Einschnitte zu fordern, fußt oft genug auf den Sätzen: “Uns (oder denen) ging es ohnehin zu gut”, oder “die fetten Jahre sind vorbei”. Oft werden sie hervorgetragen von denjenigen, die sich eine Sicherung der eigenen Pfründe erhoffen, oder zumindest eine Stabilisierung dergleichen. Die Personenkreise verfügen meist über einen noch ausreichend großen Puffer, welcher sie vom existenziellen Leid trennt. Für sie können wir auch von einer “Luxuskrise” sprechen. Aber es gibt eine verhältnismäßig kleine, aber wachsende Personengruppe, die diesen Puffer nicht haben, oder dessen Puffer dahinschmilzt. Sie sehen sich der unmittelbaren Gefahr eines Mangels an lebenserhaltender Bedürfnisbefriedigung gegenüber. Das ist relativ neu in der westlichen Welt, in den 2. und 3. Weltstaaten ist das aber schon lange Normalität, ohne das hier jemand großartig von Krise spräche. Man sieht also, auch mit einer echten Krise lässt sich’s leben oder besser gesagt überleben. Ein Beispiel welches gerne hervorgetragen wird, wenn es darum geht weitere Einschnitte zu fordern und zu rechtfertigen.

Nun ist interessant wer besonders laut von Krise spricht. Für Banken, Banker, Aktionäre und alle, die auf ein Einkommen spekulierten und spekulieren, welches sich rein aus Kapital generiert, ist es jedenfalls schnell klar, daß es sich hierbei um eine handfeste Krise handelt. Würden sie das, was derzeit in der Finanzwelt passiert nicht als Krise bezeichnen, würden die Steuergelder zu ihrer Stützung nicht bereitgestellt. Wir haben zwar alle noch nicht von verhungerten oder verdurstenden Bänkern, Anlegern, Managern oder den Angestellten von Hedgefonds gehört, und doch sprechen Medien vom “Leid” dieser Unternehmungen in der Krise. Von Krise sprechen also eigentlich vornehmlich nur diejenigen, die es gar nicht nötig hätten. Das ist natürlich zum beträchtlichen Teil auch Kalkül um den Menschen zum Mitleiden zu bewegen und sich so seiner sozialen Aufmerksamkeit sicher zu sein. Ein verschleierte Appell an die ansonsten verpönte “Gleichheit und Brüderlichkeit”. Aber auch eine Notwendigkeit um das bereits Geschaffene, wir nennen es “Wohlstand”, zu erhalten. In einem anderen Kontext, würde genau das selbe Verhalten als “Jammern auf höchstem Niveau” bezeichnet. Wir sehen also die Ambivalenz an der ganzen Geschichte. Und davon kann sich keiner ausnehmen.

Die Frage die sich stellt ist, warum sie überhaupt als so systemrelevant eingestuft werden. Was macht dieses System angeblich so wichtig.
Hier tritt eine kollektive Zukunftsangst auf den Plan. Sie wird zusätzlich auch noch gezielt forciert, denn der angebliche Verlust von Wohlstand ist ein Popanz der von den Herrschenden aufgebaut wurde, um Schichten gefügig zu halten, um ihnen wiederum weiter ein fettes (oder elitäres, mache nennen es gar “leistungsbezogenes”) Leben auf Basis einer braven Zuarbeit zu ermöglichen. Also nicht viel mehr als eine Angst vor Systeminstabilität und dem gleichzeitigen Verlust von liebgewonnenen Bequemlichkeiten, die für einige auch mit einem Machtverlust einhergehen, und plötzlich eine, von ihnen selbst bisher vielgepriesene Eigenverantwortung und Flexibilität abverlangen könnte.
Dabei spräche nichts dagegen ihnen ganz einfach zu sagen, dass sie das Jammern sein lassen können und besser mir anpacken sollten um ihre Krise zu bewältigen. Und dieser Appell richtet sich gerade nicht an die Schichten die es noch evtl. noch am ehesten nötig hätten, weil sie mit ihren “Einschränkungen” diese Wohlstandkrisen schultern.

Dabei müssen wir immer wieder feststellen, dass diese Art der Argumentation ein ständiger Kreislauf ist, der, wenn von uns vorgetragen, immer wieder auf uns selbst zurückfällt, solange wie es geht, und das geht solange, wie der Puffer ausreicht, der diese Krise abgrenzt zu einer echten, weil existenziellen Krise.

In diesem ganzen Komplex betritt nun aber auch noch das, was allgemein als die menschliche Psyche bezeichnet wird die Bühne. Sie lässt uns mittels des Prinzips Hoffnung nicht verzagen und verzweifeln, und uns mit den widrigsten Umständen arrangieren, und sie ist für das Machtgefüge nicht ungefährlich, macht sie doch diese merkwürdige “Systemrelevanz” letztendlich obsolet. So lässt eine ordentliche Portion an Hoffnung und Gelassenheit auch an eine positive Zukunft ohne Banken, Kapital und allem was dort mit dranhängt, bis hin zur totalen Überwachung und Kontrolle, glauben. Denn natürlich geht ein Leben auch ohne diesen schnöden Mammon weiter, und das auch noch in Zufriedenheit.
Wir sehen also: letztendlich ist diese Systemrelevanz im Kern die Angst vor Veränderungen. Eine Vielzahl von kleinen und großen vermeintlichen Bequemlichkeiten. Die Angst vor dem Verlust von Prestige und das Bedienen von Eitelkeiten. Existenziell ist diese Krise nicht, und doch muss jeder aufpassen, dass sie es für ihn nicht wird. Eine steigende Anzahl von Menschen wählt deswegen, in diesem Wahljahr 2009, auch das was allgemeinnhin als “links” bezeichnet wird. Und damit sind wir schon beim nächsten Thema, nämlich dem gezielten Aufbauschen von einer angeblichen Gefahr von Links, besonders aus den Kreisen, dessen Puffer bis zu einer persönlichen fundamentalen Krise weit über das hinausgeht was man als “angemessen” bezeichnen kann. Natürlich zieht da der eine den Anderen mit. So sind 2 Mio. jährlich an Boni lächerlich im Gegensatz zu 130 Mio. z.B., und bei diesem, ich nenn es mal Wettrennen fällt auch noch zweifellos genug ab um die ganzen Zuarbeiter und Lobbyistengruppen, ihre Familien, ihre Verwandten zu versorgen, und ihnen eine Art Mittelschichtsleben zu ermöglichen, und was noch wichtiger ist: um letztendlich von einem “funktionierendem System” zu sprechen. Aber wohl nicht mehr auf dem gewohnten Niveau, denn die Absenkung erfolgt auf breiter Front und durch jede Schicht hindurch.
In diesem Sinne bleibt mir nichts anderes als mir meiner eigenen Ambivalenz noch einmal richtig bewusst zu werden, schließend mit den Worten: “Naja, vielen ging es ohnehin lange viel zu gut….” :D

Ihre PolitikBasis.

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Ein Kommentar zu “Von unserem ambivalenten Kern in
nicht-fundamentalen Krisen”

  1. [...] wir uns noch einmal auf den Artikel: Von unserem ambivalenten Kern in nicht-fundamentalen Krisen », und schauen wir uns an wo wir stehen. Ist Kritik angebracht und überhaupt [...]

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