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Wahlkampf 2009 – Das TV-Duell das keines ist

gepostet von PolitikBasisam 13 - September - 2009 -5 KOMMENTARE-  Share/Bookmark

tv_duellDeutschlands Medienlandschaft ist unverkennbar in freudiger Erregung: Im Duell-Fieber ist sie voll der lobenden Worte über eine zu erwartende Verlautbarungspolitik. Doch zu erwarten ist, wie üblich, nichts anderes als Worthülsen, Sprechblasen und einstudierten Verhaltensformen.

Zu gerne würde sie sehen, dass die Bürger gespannt und ernsthaft den dargebrachten Ausführungen der beiden Protagonisten, Merkel und Steinmeier an diesem Sonntag im Fernsehen, auf ganzen 4 Sendern folgen, und zu gern hätten sie eine Show, über die die nächsten Tage wirklich heiß diskutiert wird, und aus denen sie noch die eine oder andere auflagenstarke Folgestory ziehen könnte. Die Falte im Hosenanzug, die Frisur, die Schweißperle auf der Stirn. Doch mir schwarnt, sie werden relativ allein sein mit ihren beeindruckenden Statistikblöcken bei den Auswertungen, in denen wieder dubiose Experten, Institute und Umfragen für passende Wahlstimmung und möglichst passende Wahlergebnisse sorgen sollen. Viel steht auf dem Spiel im Wahljahr 2009. Üppige Werbebudgets und gut dotierte Posten stehen zu Verfügung und winken den Lobby-Gruppierungen rund um die präferierten Wahlgewinner.

Beim TV-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier ist alles durchreglementiert wie bei einer Abiturprüfung. Sogar die Temperatur wird genau kalkuliert. Denn Steinmeier, heißt es, schwitze leicht. Andererseits dürfe Merkel nicht frieren.

Quelle: Steinmeier darf nicht schwitzen, Merkel nicht frieren »

Spannungsvoll: die angebliche Dramaturgie im Vorfeld aufgebaut. Da ist von exorbitanten Schwierigkeiten die Rede denen sich die Politiker in diesem Duell auszussetzen zu hätten: Sie müssen stehen, am Pult liegt nur Stift und Papier.

Am Sonntagabend treffen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier zum TV-Duell aufeinander. Die 90 Minuten auf vier Kanälen könnten den Ausgang der Bundestagswahl beeinflussen. Die Regeln sind streng: Moderator und Politiker müssen stehen, am Pult liegt nur Stift und Papier.

Quelle: TV-Duell – die reizvollsten 90 Minuten vor der Wahl »

Wahnsinn! Daß das jede Verkäuferin für 1200 EUR im Monat jeden Tag macht und dabei noch die Angst um ihren Job hat, und sich dabei dabei noch oft genug irgendwelchen sich aufplusternden Kunden gegenüber sieht, darf hier aus Gründen der Wahlkampftaktik besser nicht erwähnt werden.
Dabei ist die ganze Show mehr ein Relikt aus vergangenen Tagen, in denen Politikern eine Plattform gegeben wurde, dem zur Passivität verdammten Zuschauer einstudierte Häppchen um die Ohren zu hauen. Ein möglicher Widerspruch oder gar Einspruch wird auf Moderatoren verteilt, die, da sie indirekt zu den Gehaltsempfängern zu zählen sind, und damit fest eingebunden wurden in das System, recht zahm und linientreu ausfallen dürfte. Einen Vorwurf daraus, lässt sich fairerweise aber nicht ableiten, als Fakt sollte er aber in ein mögliches Resümee mit einfließen.
Überhaupt spiegelt sich in diesem ganze Getue nur eines wider: zu wirken hat es. Dabei stehen insgesamt 18 Parteien zur Wahl. Publikumswirksam zu wirken haben aber nur 2 – 3. Omnipräsenz ist das Zauberwort, das selbst aus Splitterparteien noch Volksparteien macht, wenn nur genug Einfluss vorhanden ist.

Nur darf man sich natürlich nicht täuschen lassen. Der Rückhalt für diese (angeblich) etablierten Parteien ist längst nicht mehr gegeben und die vermeindliche Stärke, die mit dieser Überschrift assoziiert werden soll schon lange nicht mehr vorhanden. Diese “Stärke” ist allerhöchstens noch aus einer aufgeblasenen, medialen Omnipräsenz heraus gegeben, gefüllt eben, mit lauwarmer Luft.


Dabei passieren wesentlich interessantere Dinge, jenseits der breiten Öffentlichkeit, die sicherlich nicht Thema dieser medialen Wahlveranstaltung werden dürften:

Irgendwie scheinen die Massenmedien die Brisanz einer Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage einer Politikerin noch nicht mitbekommen zu haben – oder man will das Thema vor der Wahl aus Gründen der politischen Korrektheit lieber noch geheim halten: Auf Anfrage der Bundestagsfraktion DIE LINKE bestätigte die Bundesregierung, dass in Zukunft auch Einsätze der Bundeswehr bei Streiks oder Massendemonstrationen nicht ausgeschlossen werden. Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, sieht darin einen offenen Verfassungsbruch.

Quelle: Nach der Wahl: Bundesregierung will Bundeswehr zur Streikniederschlagung einsetzen »

Seltsam, ich habe noch nie erlebt, dass “Aufschwünge” für Unruhen sorgen, die mit Militär niedergeschlagen werden mussten. Ebenso hab ich noch nie davon gehört, daß gute erbrachte Leistungen von Leistungsträgern, Regierungspolitikern und Unternehmerschaften in diesem Fall, mittels Militär in die Köpfe der Leute geprügelt gehören.

Und nehmen wir auch mal eine Marktsituation als Grundlage, in denen der Bürger als “Kunde” auftritt und die Regierungsparteien als “Verkäufer”, dass der Verkäufer auf seine Kunden eindrischt, sollte ihm das Angebot nicht gefallen.

Merkwürdig, Fortsetzung folgt.

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5 Kommentare zu “Wahlkampf 2009 – Das TV-Duell das keines ist”

  1. n1Ls sagt:

    Genau aus den Gründen schaue ich es mir vermutlich gar nicht erst an…

    Super Artikel!

  2. peter sagt:

    Wer schaut sich zwei Doofe gegen 4 Dumme an,

  3. Billigflug sagt:

    Ein passender Artikel zu einem missglückten TV-Duell.

    Von Gewinnern kann man bei diesem “Duell” nicht sprechen, denn zu einem wirklichen “Kampf” kam es ja erst gar nicht!!!
    Höchstens einen klaren Verlierer kann man ernennen und das sind ganz klar die Ausrichter dieses TV-Duells.
    Es ist schon bemerkenswert, dass sich Merkel und Steinmeier diesen vier (!!!!) Pappnasen überhaupt zur Verfügung gestellt haben. Man hat das Gefühl das man mit diesem Überaufgebot an sensationsgeilen Moderatoren sich dem amerikanischen Wahl-Circus anpassen will. Der krampfhafte Versuch einer Maybrit Illner die amtierende Kanzlerin aus der Reserve zu locken indem Sie Ihr ständig ins Wort fiel war einfach unhöflich und inakzeptabel, was ihr Frau Merkel mit einem kleinen Seitenhieb auch gut zu verstehen gegeben hat.
    Man kann nur hoffen das TV-Sender aus dieser Farce etwas gelernt haben, aber das wäre wohl zu viel verlangt!

    gruß,
    sebastian

  4. Max sagt:

    Die Merkel und der Steini. Hach, das war ja ein Kuschelkonzert was die beiden uns da in ihrem *räusper* Duell abgeliefert haben. Meine Tendenz geht zu Steini, aber auch nur, weil er immer so süß gelächelt hat ;).

  5. PolitikBasis sagt:

    Hallo Ihr, schaut bald wieder vorbei wenn es in unseren “Tipps und Tricks zur Bundestagswahl 2009″ um: “Keine Angst vorm Stimmzettel” geht!

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