PolitikBasis

Kommentarblog zu den Systemnachrichten

Von politischen Gesprächen, und dem Erkennen, daß Politik im Kopf beginnt

gepostet von PolitikBasisam 2 - Oktober - 2009 -KOMMENTAR+-  Share/Bookmark

dialogImmer wieder werden wir von der PolitikBasis gefragt, was unsere Vorschläge zur Verbesserung des Systems sind, und ob wir uns nicht zu stark auf das Kritisieren konzentrieren, ohne konkrete Vorschläge zu machen. Zu erwidern gibt es dann von unserer Seite oft einen recht einfachen Satz: “Politik beginnt im Kopf” – abgeleitet von dem “Veränderungen beginnen im Kopf”:
Wir tragen ihn besonders dann vor, wenn wir in politischen Gesprächen merken, daß unsere Gesprächspartner anfangen im starren linken und rechten Lagerdenken zu verharren und all das, was ihnen in Jahrzehnten an Argumentationsketten antrainiert wurde abzuspulen. Da ist wild von “den Roten” und “den Braunen” die Rede, mit dem Begriff “Kommunismus” wird herumhantiert und reichlich weiteren, an dern Haaren herbeigezogenen Vergleichen.
Von einem liberalem Geist ist dann dort meist nichts zu spüren.

Oft beginnen diese, zu einfältigen Monologen tendierenden Diskussionen rund um den Begriff “Schmarotzertum” und/oder HartzIV, und was man alles mit den Subjekten, die angeblich anderen permanent auf der Tasche liegen, so gerne machen würde. Das bereits damit der geistige Brandsatz für ein braunes Denken gelegt wurde, das nicht minder extrem ist, als das, was oftmals als “links” bezeichnet wird, wird mit einer ganzen Reihe anderer, argumentativer Ungereimtheiten ausgeblendet. Meist folgt nach diesem “Wunschzettel”, die von Arbeitslagern bis zu öffentlichen Prügelstrafen reichen ein großes relativierendes “ABER”, auf das ein ganzer Schwall von Ausnahmen herunter gespult wird, um deutlich zu machen, daß man doch nicht der Unmensch ist, den andere annehmen könnten zu sein. Die Ausnahmen reichen dann von alleinerziehenden Müttern, über die Personen die in HartzIV geraten, z.B.- nach 20 jähriger Berufstätigkeit, gesundheitlich Angeschlagene, und und und. Und wenn man dann fragt, wie viel denn dann noch überhaupt übrig bleiben, die nicht von diesen Ausnahmen betroffen wären, erntet man oftmals Schweigen. Das mag zwar in dem Moment recht wohltuend sein, zeigt aber auch gleichzeitig die Art Hilflosigkeit und die nur gering ausgeprägten Fähigkeit zur Selbstreflektion, die sich durch das gesamte Gespräch zieht.

Lenkt man es anschließen auf die Generierung von Kapital durch Kapital, ist ein der folgende Satz, mit großer Wahrscheinlichkeit, einer der nächsten: “Sie liegen anderen aber nicht auf der Tasche”.

Das klingt beim ersten Hören ganz richtig, (so ein Satz könnte auch von der Bildzeitung kommen), aber die Generierung von Kapital, ohne reale Werte schaffende Arbeit ist auch wieder nur ein Motor für technische Innovationen und gesellschaftliche Veränderungen um teure, lohnintensive Arbeiten maschinell ausführen zu lassen, um: 1. äußerst produktiv zu sein, 2. um Kosten zu sparen, um 3. Rendite zu erwirtschaften um 4. von abhängiger Arbeit befreit, sein Dasein zu fristen, und evtuell: 5. ganz auf Arbeit zu verzichten. ;-)

Aha, spätetens hier schließt sich dann der Kreis, und das ganze mühsam aufgebaute Argumentationsgebäude stürzt in sich zusammen.

Denn, wenn man selbst nicht für seinen Lebensunterhalt arbeitet, es jemand anderes tun muß, scheint vielen so unmöglich einzugestehen.

Letztendlich bringt dieser Kreislauf also genau das hervor was unter dem großen Begriff “Schmarotzertum” bezeichnet werden kann. Das Argument andere durch Kapital arbeiten zu lassen, um es selbst nicht zu tun, ist anschließend nicht minder schwierig. Lässt sich dieser Begriff doch dann auch auf den Geldadel z.B. anwenden.

Was nun regelmäßig folgt, ist das wenig konsistente: “Aber um dieses Kapital anzuhäufen, dafür wurde (in der Vergangenheit) gearbeitet!”.
Nun, das wissen wir aber nicht, wir mutmaßen es höchstens. Es kann auch ebenso gut sein, daß es durch Unrecht erwirtschaftet wurde. Es ist sogar höchst wahrscheinlich. Auf dem Rücken anderer erwirtschaftet quasi. Die Geschichte zeigt immer wieder Beispiele, und sie reichen von der territorialen Vertreibung der Ureinwohner Amerikas, über das Sklavenhaltertum im römischen Reich, bis zur Zwangsarbeit im 3. Reich und vieles vieles mehr. Daran haben sich ganze Generationen gesund gestoßen. Sicherlich auch reichlich viele Teile unserer.

Ist man in dieser Art Gespräche nun an diesem Punkt angekommen, kommt man man unweigerlich auch auf das Thema “Erbschaften” zu sprechen, die wie selbstverständlich in unserem gesellschaftlichen Konsens die Weitergabe von Kapital auch an Nicht-Arbeitende vorsieht. Das ist zunächst ein völlig wertfreier Sachverhalt, der nun aber von unserem Gegenüber durch das Wort “Neid” abgestraft wird, und so eine unmoralischen Stempel bekommt. Dabei folgt es jener breit akzeptierten Logik, daß z.B. wer nicht arbeitet, auch nicht essen soll. Meist ist es das letzte argumentative Bollwerk in der recht geschlossenen Gedankenwelt. So hapern diese “Argumente” immer an den passenden Schlüssen, was wiederum dazu führt sich thematisch im Kreise zu drehen.

Argumentative Duchlässigkeit – Empathie wäre hier das passende Verhalten, was aber oftmals nicht möglich ist. Das einfache Nachplappern von irgendwelchen Meinungen, die als “Nachrichten” um z.B.: 20.15 Uhr verkauft werden, ohne über Zusammenhänge nachzudenken führt zu keinerlei Veränderung oder Verbesserung, sondern macht einen höchstens zum hörigen Vasallen.

Politik beginnt im Kopf und hat eher wenig mit festgefahrenen Denkstrukturen und ihrer vehementen Verteidigung zu tun.
Zielführender wäre eine flexible geistige Herangehensweise an politisch – gesellschaftliche Probleme ohne Lagerdenken. Das setzt aber voraus sich selbst auch als Nutznießer bestimmter Machtkonstellationen zu sehen – auch als “Schmarotzer” so man sich das eingestehen kann, und somit auch als Teil der Probleme wahrzunehmen. Wichtig wäre es allemal. Verzweifeln muß daran aber trotzdem niemand, denn dieses Eingeständnis führt zu einem freien, sehr liberalen Denken, das ohne argumentatives Versteckspiel, mit oftmals verqueren Verrenkungen, das eigene zweifelhafte Verhalten zu rechtfertigen versucht.

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