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Life is unfair – auch für Energieunternehmen

gepostet von PolitikBasisam 11 - April - 2011 -1 KOMMENTAR-  Share/Bookmark

PolitikBasis | Life is unfair

Divide et impera – teile und herrsche – das Mittel der Wahl, wenn es darum geht Menschen in überschaubare Einzelgruppierungen zu zerteilen. Die Konflikte die dabei geschürt werden, beschäftigen die einzelnen Parteien so sehr, dass das eigentliche, gemeinsame Ziel verwässert und zerbröselt. Auch in dieser entwickelten Demokratie, die wir meinen zu haben, kommt das Herrschaftsgefüge nicht ohne diesen Trick aus. Für alles und jeden werden Schubladen ersonnen, in denen er sich wiederfindet – teils freiwillig, teils unfreiwillig. Individualismus nennt sich zwar das, was eine Person ausmacht und abgrenzt, gegenüber anderen Personen, jedoch: die Grenzen der eigenen Freiheit sind längst dort gezogen, wo Renditen gefährdet sind und der Individualismus wirtschaftlichen Interessen zuwider läuft.
Nicht anders gestaltet sich die Debatte um den Atomausstieg. Zerteilt und aufgebröselt wird das Volk in Liberale und Grüne, Befürworter und Gegner. Abwertend heißen sie Ohnemichels, Gutmenschen oder gar Schmarotzer:

Der Ohnemichel gleicht dem Kuckuck, der sich in fremde Nester setzt, an deren Bau er nicht beteiligt sein will. Ein Schmarotzer. Auch andere Länder wollen schließlich gerne auf erneuerbare Energien zusteuern, aber sie gehen das Risiko des Weges mit ein, nehmen die lange Laufzeit der Entwicklung dahin in Kauf [...]

Welt Online: Das Schmarotzertum der “Nein, danke”-Deutschen »

Haarsträubend, die Argumentation, die wie aus der Feder der Atomlobby geronnen scheint. Der Logik folgend dürfte keine Kritik und keine Bedenken geäußert werden, denn Bürger anderer Länder tun es angeblich auch nicht. Life ist ihrer Ansicht nach zwar “unfair”, aber doch bitte nur, wenn es dieser Lobby in den Kram passt. Nationaler Individualismus? Ein Sonderweg? Unerwünscht! Deutschland in einer Vorreieterrolle? Die Suche nach dem Wechsel in der Energiepolitik? Nichts, was sich die Energiekonzerne vorstellen könnten, oder woraus sich ihrer Meinung nach etwas machen ließe! Life is unfair, aber möglichst immer nur für andere.
Entsprechend scharf wird rhetorisch geschossen und sogar Lybien bemüht um die Kernaussage des Artikels zu untermauern: Es gibt zu viel Nein-Sager in Deutschland. Kurzerhand wird Risiko zur Währung erklärt und Kritiker, die eigenverantwortlich das Zepter in Hand nehmen, verunglimpft. Es entlädt sich der ganze Frust über eine sich emanzipierende Bevölkerung, in wenigen Sätzen:

Anspruchsdenken läuft in anderen Bahnen, sucht nach Sicherung von Beständen, darunter der wichtigste: ein risikofreies Leben, die größte aller Utopien. Libyen? Nein, danke. Atomkraft? Nein, danke. Das ähnelt dem Vorläufer dieser Attitüde in den 50er-Jahren, der denn auch folgerichtig der “Ohnemichel” genannt wurde: Nato? Nein, danke. Wiederbewaffnung? Nein, danke.

Aus den Kehlen derer, deren Bankenfreunde gerade erst die Folgen der kapitalistischen Kernschmelze in Form von Rettungsschirmen und Staatenverschuldung auf den Bürger abwälzte, klingt das alles nur noch wie Hohn. Und dabei ist das noch harmlos: 25.000 Jahre Verstrahlung sehen da schon anders aus. Ebenso können sie sich relativ sicher sein, dass die Folgen eines GAUs vom Volk übernommen werden – müssen. Versicherung jedenfalls halten sich dezent zurück, denn das Risiko ist unkalkulierbar hoch. So kommt es bei einem GAU, laut des Schweizer Prognos-Institut, das 1992 die Konsequenzen einer Kernkraftwerks-Katastrophe in Deutschland ausrechnete, zu einer Schadenssummen von zehn Billionen Mark. Dann müsste der Bund für einen Großteil der Schäden aufkommen. Also der Steuerzahler.

Von daher sollten die Energiebetreiber froh und dankbar sein, dass der Ohnemichel, oder der Schmarotzer, wenn man denn so mag, sich nur auf das Nein-Sagen beschränkt. Das Gezeter und Geschrei der Lobby der Energieversorger und ihrer Bankenfreunde ist jetzt schon ohrenbetäubend und dürfte noch um einiges anschwellen, wenn der Ohnemichel anfängt risikobereit sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Von daher leben diese Unternehmen auf der Insel der Glückseligkeit und jammern dabei auf höchstem Niveau. Demut ist ihnen fremd und kuschelige Beschaulichkeit mit risikolosen Gewinnen ihr Wunsch. All das wird es auf Dauer aber nicht geben, denn sie werden sich schon bewegen müssen. Ja, life is unfair.

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Ein Kommentar zu “Life is unfair – auch für Energieunternehmen”

  1. Reimfee sagt:

    Nachhaltiges Wirtschaften ist nur ohne Atomstrom moeglich. Atomkraftwerke waren schon immer lebensbedrohlich und es ist bitter, dass der Ausstieg erst Opfer forderte. Verantwortung vor Profit heisst an ‘s Gemeinwohl denken, also denken, bevor Entscheidungen gefaellt werden und vorher die Euroscheinbrille von der Nase nehmen!

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