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(Teil 3) Reisebericht Halle/Leipzig – Zeugnisse von Krieg und Frieden

gepostet von PolitikBasisam 15 - November - 2011 -1 KOMMENTAR-  Share/Bookmark

Willkommen zurück! Dies ist die Fortsetzung vom (Teil 2) Reisebericht Halle/Leipzig – Ankunft in Leipzig.
PolitikBasis | Flickr | Steibs Hof in Leipzig
Immer wieder drang dieses laute, heisere Stöhnen durch die dünnen Wände des Hotels. Es war Nacht und Grit drückte meine Hand wieder etwas fester. „Was mag das bloß sein” flüsterte sie ängstlich. Beschwichtigend versuchte ich den Geräusche eine logische Erklärung zu geben: “Ein Mann mit Bronchitis!?” mutmaßte ich. Das beruhigte Grit nicht. Es war zwei Uhr nachts. Der Mond tauchte das Zimmer in fahles Licht und warf lange Schatten auf unsere Gesichter. Nach einem wundervollen Tag in Leipzig waren wir früh zu Bett gegangen – wir wollten ausgeruht zu sein, für den nächsten Tag, an dem wir die Entdeckung des Völkerschlachtdenkmals geplant hatten.

Polternde Laufgeräusche und laute Stimmen gesellten sich nun zum Stöhnen. “Wo sind wir hier bloß gelandet” wisperte Grit. Wortlos und etwas entnervt zog ich die Decke über den Kopf. Ich schloss die Augen. Es wird die Müdigkeit gewesen sein die mich letztendlich übermannte, denn als ich sie erneut öffnete, drang das grelle Licht der aufgehenden Sonne durch die Fenster. Die Vorkommnisse der Nacht hinterließen ihre Spuren. Dunkle Augenringe schmückten uns und zeugten von der unruhigen Nacht.


Wir eilten zum Frühstücksbuffet. Der Raum war ein wilder Mix aus Gaststätte, Wellnessoase und Rezeption. Mintfarbene Tapeten wurden von orangen Tempelsäulen geziert, die holzeingefasste Eingänge umrahmten – sehr chick. Sie passten so gar nicht zu dem rustikalen Interior, das zusammen mit den bunt gemusterten Teppichen um die Aufmerksamkeit der Besucher buhlten. Diesen „Wettkampf” gewannen die Teppiche.

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Unbehagen machte sich breit, als wir merkten, dass aus einer Ecke des Raums lautstark das SAT1 “Frühstücksfernsehen” drang. Unterschichtenfernsehen am Morgen – der Alptraum schlechthin! Niemand schien sich daran zu stören. Zerknirscht nahmen wir an einem der rustikalen Tische platz. Die halb leere Kaffeekanne kam flugs vom Nachbartisch herüber. Sehr „familiär” das Ganze bemerkte Grit mit einem spöttischen Grinsen. Wir beeilten uns mit dem Frühstück…


Zeugnisse von Krieg und Frieden

Schon von Weitem ist die markante Silhouette des Völkerschlachtdenkmals zu sehen. Vom Bahnhof aus durchquerten wir das Stadtzentrum und gelangten schnell über die Prager Straße zu der Grünananlage, in der das Monument eingebettet liegt. Zahlreiche Reisebusse wiesen uns den Weg. Es war 10.00 Uhr morgens und langsam füllte sich der Platz vor dem weitläufigen Areal. Ein Stimmengewirr verschiedener Nationalitäten hieß uns willkommen.


„Nehmen wir einen Audioguide mit?” fragte Grit, während wir die Stufen zum Ticketschalter hoch liefen. Ein gute Idee. “Du wirst mir sicher nicht zu all dem hier etwas erzählen können” bemerkte ich und machte eine ausschweifende Geste. Zwar wusste ich, dass Grit schon öfters hier war, dass sie aber nähere Informationen über diesen Ort hat, davon ging ich nicht aus. Während Grit die Tickets holte, schaute ich mich schon mal in der Vorhalle um: Auf Schutt ist das Monument gebaut, zwischen 1858 und 1916. Vom Aufwand und Mühe zeugen Fotos, Artefakte und Gedenktafeln.

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Durch den Haupteingang hindurch betraten wir die Ruhmeshalle. Überdacht mit einer imposanten Kuppel beherbergt sie die vier Totenwächter. Es sind Statuen beeindruckenden Ausmaßes: 10 Meter hoch, aus massiven Stein, stehen sie für die Tugenden Tapferkeit, Glaubensstärke, Volkskraft, und Opferbereitschaft. Breite Treppen führen hinab in die Krypta. An diesem dunklen, fast mystischen Ort wachen 16 Steinkrieger symbolisch über die 120.000 in der Völkerschlacht gefallenen Soldaten.


Upstairs, Downstairs

Grit zwinkerte mir zu. “Lass uns nach oben gehen” rief sie und machte schon auf dem Treppenabsatz kehrt. “Wie hoch ist das denn?” wollte ich wissen. “Wenn wir das nicht mehr zu Fuß schaffen, dann sind wir wirklich alt” erwiderte sie im Vorbeigehen lachend. Ich blickte nur einmal noch, ganz kurz, etwas neidisch auf die Aufzüge, die kleine fröhliche Besuchergrüppchen bequem nach oben auf die Besucherplattform transportieren, dann nahm ich die erste Stufe – die Erste von 500…

Immer schmaler wurde die Wendeltreppe – war sie bis zur mittleren Aussichtsplattform noch breit, und konnte auch herabsteigende Besucher noch mühelos an einem vorbei leiten, regelte nun eine Ampel den Verkehr. Auch waren die Nischen, in denen sich erschöfte Wandersleut auf dem Weg nach oben ausruhen konnten, und von denen ich immer wieder regen Gebrauch machte, nicht mehr vorhanden.
Ich stieß die Tür auf. Ein kühler Herbstwind schlug mir entgegen. Glücklich standen Grit und ich Arm in Arm an der Brüstung und ließen die Aussicht auf Leipzig wirken.


Noch am selben Tag traten wir die Heimreise an. Es war die letzte Fahrt mit der Majesty 400 vor der Winterpause, aber bereits jetzt laufen die Reiseplanungen für das Jahr 2012 auf Hochtouren. Kommen Sie also das nächste Mal auch wieder mit auf die Reise, wenn es im Frühjahr auf der PolitikBasis heißt: „Reisebericht Föhr – Letzte Ausfahrt Dagebüll!


Bis bald!
Ihr Björn Dischleit für PolitikBasis.de

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Ein Kommentar zu “(Teil 3) Reisebericht Halle/Leipzig – Zeugnisse von Krieg und Frieden”

  1. Pewi sagt:

    Es gab (vielleicht gibt es den sogar noch???) zu DDR-Zeiten den Völkerschlachtdenkmalchor. Habe gerade nachgeschlagen, den gibt es noch. Das ist schon ein Erlebnis dort drinnen, ein kleines Chorkonzert hören zu können. Übrigens, wenn nach oben steigt, kurz vor der Aussichtsplattform steigt man durch die Wade eines Kriegers.

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